Moderne Glaskunst: Die Chorfenster in der Christuskirche

Besucher, die zum ersten Mal die Christuskirche betreten, sind meist überwältigt von der Fülle des Lichtes und der Helligkeit, die besonders durch die großen farbigen Chorfenster erzeugt werden. Nicht immer war dies so.

Bei dem schweren Luftangriff in der Nacht vom 30. auf den 31. August 1943 war die Christuskirche bis auf die Grundmauern abgebrannt. In der Nachkriegszeit wurden die drei mittleren Chorfenster und die Rundfenster im Erdgeschoss zunächst zugemauert. Im Zentrum des Chorraumes befanden sich die Kanzel und der Abendmahlstisch. Das Licht fiel nur eingeschränkt in Chorraum und Kirche. Die Predigt als Auslegung des göttlichen Wortes und die Sakramente als sichtbare Zeichen der göttlichen Gegenwart standen im Vordergrund. Nach einigen Jahren begannen das Presbyterium, der Bauausschuss und der nach dem Krieg gegründete Kirchbauverein, Überlegungen anzustellen, neue Chorfenster in Auftrag zu geben. Mit der Gestaltung der neuen Chorfenster wurde am 19.1.1961 der junge Glaskünstler Professor Johannes Schreiter beauftragt, der bereits eine internationale Auszeichnung erhalten hatte und sich Ende der 50er-Jahre als Erfinder der Brand-Collage mit seinen „Feuerbildern“ einen Namen in der Kunstwelt gemacht hatte. Schreiter legte einen ersten Entwurf für eine abstrakte Gestaltung der Fenster vor, der in den zuständigen Gremien diskutiert wurde. Naturalistische, gegenständliche Darstellungen wollte der Künstler vermeiden, um die Unverfügbarkeit Gottes zu verdeutlichen. Glas ermöglichte eine Tendenz zur „Entmaterialisierung“, die ein wesentliches Anliegen der damaligen modernen Kunst war. Die Chorfenster sollten „Tore zu Gott“ sein, der in Licht und Farben den Menschen Zeichen seiner Gegenwart in der Welt gibt. Der biblische Schöpfungsbericht unterstreicht die damals im Presbyterium eingeforderte und in den Fenstern enthaltene Bekenntnisaussage: „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“ (1. Buch Mose, 1, 3).  Nachdem ein neu eingerichteter Ausschuss zwischen den Beteiligten vermittelte, wurde ein zweiter Entwurf des Künstlers am 21. Mai 1962 genehmigt und der Einbau der neuen farbigen Chorfenster erfolgte noch im selben Jahr.

In den folgenden Jahrzehnten schuf der Künstler und Glasmaler Johannes Schreiter, der am 8. März 1930 in Buchholz im sächsischen Erzgebirge geboren wurde, zahlreiche weitere Glasbilder u.a. im Mainzer Dom und im Ulmer Münster.  Schreiter erhielt zahlreiche nationale und internationale Ehrungen und Auszeichnungen. Auf allen Kontinenten der Erde war er tätig und wurde zu einem der weltweit bedeutendsten Glaskünstler unserer Zeit. Professor Schreiter lebt heute im hessischen Ort Langen in der Nähe von Darmstadt und ist seit 2013 Ehrenbürger der Stadt, die in der Neuen Stadthalle im Untergeschoss seit 2009 eine Galerie mit Werken von Schreiter und anderen Künstlern unterhält. Bis zum heutigen Tage ist der Künstler Schreiter, der seine Kunstwerke als „Oasen der Stille“ beschreibt, künstlerisch tätig.

 Zu Ehren des mittlerweile 89jährigen Glas- und Lichtkünstlers veranstaltet das Deutsche Glasmalerei-Museum in Linnich unter dem Titel: „LICHT-ZEICHEN“ eine Ausstellung zum Lebenswerk und der Kunst von Johannes Schreiter. Die Ausstellung hat am 24. März 2019 begonnen und dauert noch bis zum 27. Oktober 2019. Die Öffnungszeiten des Museums sind Dienstag bis Sonntag 11-17 Uhr. Gruppenführungen können vereinbart werden. Am Sonntag, dem 8. September 2019 ist der Eintritt im Rahmen des „Tag des offenen Denkmals“ frei.  Am Sonntag, dem 29. September besteht die Möglichkeit, an einem Vortrag des Kurators der Johannes Schreiter-Ausstellung in Langen Gunther Sehring M.A. teilzunehmen, der ab 14.30 Uhr über „Aspekte der Kunst von Johannes Schreiter“ referiert. Ab 14.15 Uhr sind interessierte Gäste zu einem Getränk und anschließend zu einer kurzen Führung durch die Ausstellung eingeladen.      

Lothar Beckers