Eine Konfirmandenfahrt als Herzens-Bildungsreise

Venedig war ebenso ein Ziel wie die Villgratner Bergwelt bei der Konfirmandenfahrt in den Herbstferien 2019. Achtzehn unternehmungslustige Leute hatten sich in zwei vom Pfarrer-Ehepaar gesteuerten Kleinbussen auf den Weg zum Wurzerhof gemacht, um in dem denkmalgeschützten Bergbauernhof eine Bleibe für eine wunderbare Woche zu finden. Die Küchenarbeit war dabei ebenso ein Do-it-yourself-Projekt wie das Ausflugsprogramm. Und der eindrücklichste Ausflug ging nach Venedig: Aufstehen morgens um Fünf, ein schnelles Frühstück, und mit dem Sonnenaufgang ging es durch Cortina d'Ampezzo und an Belluno vorbei zur Autostrada, die schnurstracks zur Lagune führte. Auf dem Oberdeck des hohen Parkhauses verschaffte man sich bei einem zweiten Frühstück einen ersten Überblick über Dächer und Kanäle. Der erste Anlaufpunkt war ein vergleichsweise stiller Winkel in Venedig: das jüdische Ghetto, das erste, das in Europa diesen Namen trug. Am Rande der Piazza nahmen sich die Konfirmanden einige Zeit, um anhand der Gedenktafeln etwas vom Leid zu erfahren, das Deutsche den venezianischen Juden angetan hatten. Unversehens war eine Ausflugsfahrt zur Herzens-Bildungsreise geworden.

Ähnliches hatte die Reisegruppe Tage zuvor in den Villgratnern Bergen erfahren. Da stieg man wandernd auf zur Wurzfläche: eine fordernde Tour, bei der bei bestem Sonnenschein der Schweiß floss. Als Belohnung wartete an der Wurzalm die Bergbauernfamilie Leiter mit einem stärkenden Mahl am Nachmittag. Und dann marschierten alle zusammen die wenigen Meter hoch zum Almkreuz, an dem man sich niederließ, um mit einer Andacht unter freiem Himmel den Almsommer zu beschließen. Aus einer Wanderung war ein kleiner Gottesdienst geworden.

Die jungen Leute aus dem Wichernhaus nehmen die Fahrt als besonderes Ereignis ihrer Unterrichtszeit mit auf den Weg zur Konfirmation in der Christuskirche im Frühjahr 2020.

Fotos: Annette und Werner Beuschel, Mathias Remus (M.R.)